Polarlichter in Skandinavien

Polarlichter-Symbolbild | Foto: Janina Bienkowski auf Pixabay

Polarlichter und wie man sie beobachtet

Polarlichter (Aurora borealis) entstehen, wenn elektrisch geladene Sonnenpartikel auf Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle in der Erdatmosphäre treffen und diese zum Leuchten bringen. Für Sichtungen in Mitteleuropa ist ein Kp-Index von mindestens 5 notwendig. Der Sonnenzyklus dauert durchschnittlich 11 Jahre – bei Maximum sind Polarlichter besonders häufig sichtbar.

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Marcel

Gründer von Wetterblick · Wetterbegeisterter seit über 15 Jahren

Polarlichter, im Fachjargon auch Aurora, sind für uns sichtbare Lichtphänomene, die vorwiegend in der Nähe der Pole der Erde auftreten. Polarlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen der Sonne auf die Erdatmosphäre treffen und dabei mit den Gasmolekülen der Atmosphäre in Kontakt kommen. Durch diese Interaktion entsteht eine chemische Reaktion, bei der Energie in Form von Licht freigesetzt wird.

Das schöne Himmelsschauspiel kann vorwiegend in der Nähe des Nordpols als Aurora borealis (Nordlicht) und in der Nähe des Südpols als Aurora australis (Südlicht) bestaunt werden. Die beste Zeit ist dabei zwischen September und April. Immer wieder sind Polarlichter auch in mittleren Breitengraden zu sehen, wenn die Sonnenwinde besonders aktiv sind.

Ende Februar 2023 waren die Polarlichter auch sehr verbreitet in Deutschland zu sehen. Die besten Aussichten hatte man bei keiner Bewölkung vor allem im Norden Deutschlands. Jedoch wurden Polarlichter auch über der Mitte Deutschlands gesichtet, die oftmals aber nur mit einer längeren Belichtung der Kamera zum Vorschein kamen.


Wie und wo beobachte ich Polarlichter am besten?

In Deutschland benötigt man einen möglichst wolkenlosen und klaren Himmel. Du solltest auf einer freien Fläche stehen, bei der du gut in Richtung Norden sehen kannst. Polarlichter treten bei uns meist knapp über dem Horizont auf, sodass ein flacher Blick in nördliche Richtung sinnvoll ist. Zudem empfiehlt sich der Aufsuch einer sehr dunklen Umgebung. Innerhalb von großen Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet oder dem Rheinland kann es durch die vorherrschende Lichtverschmutzung zu Problemen bei der Sichtung kommen.

Wie entstehen die unterschiedlichen Farben?

Die unterschiedlichen Farben entstehen, wenn die Partikel auf verschiedene Gasmoleküle in der Erdatmosphäre in unterschiedlichen Höhen treffen.

Grün

Die häufigste Farbe. Sie entsteht durch die Interaktion mit Sauerstoffmolekülen in niedrigeren Höhen (ca. 100km).

Rot

Entsteht ebenfalls durch Sauerstoff, aber in deutlich dünneren Schichten der Atmosphäre in großer Höhe.

Blau

Diese rötlichen und bläulichen Nuancen entstehen durch die Interaktion mit Stickstoff.

Haben die Polarlichter etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Nein. Polarlichter sehen wir nur, weil elektrisch geladene Teilchen der Sonne in die Erdatmosphäre eindringen. Die Sonnenstürme sind völlig normal und sind mal stärker und mal schwächer. Mit dem Klimawandel hat dieses Naturphänomen allerdings nichts zu tun. Durchschnittlich alle 11 Jahre sind die Sonnenstürme besonders aktiv, wodurch die Teilchen dann mehr in Richtung Erde strömen und so für das Naturspektakel sorgen.

Der Kp-Index: Ab wann sind Polarlichter sichtbar?

Der Kp-Index (planetarischer K-Index) ist das wichtigste Maß für geomagnetische Aktivität auf einer Skala von 0 bis 9. Er gibt an, wie stark der Erdmagnetismus durch Sonnenwinde gestört wird – und damit, wie weit südwärts Polarlichter sichtbar sind.

Kp-IndexStärkeSichtbarkeit in Deutschland
0 – 2RuhigNur in Skandinavien und arktischen Regionen sichtbar
3 – 4Leicht aktivTeils am nördlichsten Zipfel Deutschlands (Sylt) mit sehr guter Sicht möglich
5Geomagnetischer Sturm (G1)Norddeutschland: Sichtung möglich, oft nur am Horizont oder per Kamera
6 – 7Starker Sturm (G2–G3)Mittel- und Norddeutschland gut sichtbar, Süddeutschland am Horizont möglich
8Sehr starker Sturm (G4)Ganz Deutschland gut sichtbar, in Norddeutschland nahezu im Zenit
9Extremer Sturm (G5)Deutschlandweit spektakuläre Sichtungen – selbst in Süddeutschland und Österreich im Zenit

Wichtig für die Praxis:

Für eine sichere Sichtung in Norddeutschland wird in der Regel ein Kp-Index von mindestens 5 benötigt. In Bayern und Baden-Württemberg sind verlässliche Sichtungen erst ab Kp 7–8 zu erwarten. Kp 9 (wie im Mai 2024) ermöglichte Sichtungen bis nach Nordafrika.

Solarzyklus 25: Warum wir gerade im Polarlicht-Hochsommer sind

Der aktuelle Sonnenzyklus 25 begann im November 2019. NASA und NOAA prognostizierten ursprünglich einen eher schwachen Verlauf – doch der Zyklus überraschte: Im August 2024 wurde eine Sonnenfleckenzahl von durchschnittlich 216 pro Monat erreicht, fast doppelt so viel wie vorhergesagt. Das Sonnenmaximum wurde bereits 2024 erreicht.

Was bedeutet das für Polarlichter?

Je aktiver die Sonne, desto mehr koronale Massenauswürfe (CME) treffen die Erde. Starke Ereignisse wie der „Muttertagssturm" im Mai 2024 (Kategorie G5 – stärkster Sturm seit 20 Jahren) lösten Polarlichtschauen über ganz Deutschland aus.

Wie geht es weiter?

Obwohl das absolute Maximum bereits überschritten sein dürfte, bleibt die Aktivität noch längere Zeit erhöht. Historisch zeigen absteigende Zyklusphasen teils intensive geomagnetische Stürme – wie die legendären „Halloween-Stürme" von 2003, die Jahre nach dem Maximum auftraten.

Polarlichter fotografieren: Kameraeinstellungen

Das menschliche Auge ist für schwache Polarlichter weniger empfindlich als eine Kamera. Mit den richtigen Einstellungen gelingen auch bei moderaten Kp-Werten beeindruckende Aufnahmen.

Belichtungszeit

Für eine aktive Aurora: 5–10 Sekunden. Für ruhige, schwache Aurora: bis 20–25 Sekunden. Längere Belichtung lässt mehr Licht ein, kann aber bei aktiver Aurora die Strukturen verwischen.

ISO-Wert

Typisch: ISO 800 bis 3.200 – so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Maximal ISO 6.400, um Bildrauschen zu vermeiden. Kameras mit größerem Sensor erlauben höhere ISO-Werte.

Blende & Fokus

Blende so weit wie möglich öffnen: f/1.8 bis f/2.8. Fokus manuell auf unendlich stellen – am besten einen hellen Stern als Referenz nutzen.

Weitere Tipps

Stativ verwenden. Fotos im RAW-Format speichern (mehr Bearbeitungsspielraum). Dunkler Standort mit freiem Nordhorizont wählen – abseits von Städten und Lichtverschmutzung.

Fakten & Zahlen

  • 🌡️ Für Polarlichtsichtungen in Mitteleuropa ist ein Kp-Index ≥ 5 notwendig
  • 🔄 Der Sonnenzyklus dauert ca. 11 Jahre – bei Maximum treten Polarlichter häufiger auf
  • 🟢 Grüne Polarlichter entstehen bei ca. 100 km Höhe durch Sauerstoff
  • 🔴 Rote Polarlichter entstehen in 200–300 km Höhe durch Sauerstoff in dünnerer Luft