Wind und Wolken

Foto: Michael Gaida via Pixabay (Windsack am Meer)

Wie entsteht eigentlich Wind?

Wind entsteht durch Luftdruckunterschiede: Luft strömt stets vom Hochdruck- zum Tiefdruckgebiet. Die Sonne erwärmt die Erdoberfläche ungleichmäßig, was Druckgefälle erzeugt – die Corioliskraft lenkt diese Strömungen auf der Nordhalbkugel nach rechts ab. Orkanstärke beginnt nach der Beaufort-Skala bei 118 km/h (Windstärke 12).

M
Marcel

Gründer von Wetterblick · Wetterbegeisterter seit über 15 Jahren

Einfach gesagt ist Wind nichts anderes als Luft, die von einem Ort zum anderen wandert. Doch warum tut sie das überhaupt? Dahinter stecken gewaltige Kräfte der Physik und unsere Sonne.

Druckunterschiede

Wind entsteht, wenn der Luftdruck zwischen zwei Orten variiert. Luft strömt immer vom hohen Druckgebiet zum niedrigen Druckgebiet. Das, was wir als Wind spüren, ist der Versuch der Natur, diesen Unterschied auszugleichen.

Die Sonne als Motor

Die Sonnenwärme erwärmt die Erde ungleichmäßig. Da warme Luft leichter ist als kühle, steigt sie auf. In das so entstehende "Vakuum" strömt kühle Luft nach – dieser Prozess erzeugt thermische Luftströmungen.

Die Corioliskraft

Wäre die Erde starr, würde der Wind direkt vom Hoch zum Tief wehen. Doch die Erddrehung lenkt Luftmassen ab: Auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. So entstehen die typischen Wirbel um Hoch- und Tiefdruckgebiete.

Einflussfaktoren

Die Windgeschwindigkeit und -richtung hängen von vielen Faktoren ab. Küstenwinde entstehen etwa durch Temperaturunterschiede zwischen Land und Wasser. Aber auch Berge (Topographie) leiten Winde um oder verstärken sie. Wind beeinflusst fast alles: Die Landwirtschaft, die Luftfahrt und natürlich unser tägliches Wetterempfinden.

Fakten & Zahlen

  • 🌬️ Die Beaufort-Skala reicht von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan, ab 118 km/h)
  • 🏔️ Stärkste Böe in Deutschland: 272 km/h auf der Zugspitze (1985)
  • ⚡ Windstärke 8 (Sturm, ab 62 km/h) kann bereits Äste brechen und Gebäude beschädigen
  • 🌀 Der Jetstream in ca. 10 km Höhe erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h

Wind live erleben

Sieh dir an, wie die Theorie in der Praxis aussieht. Unsere Modellkarten zeigen dir die aktuellen Strömungen über Deutschland.

Windprognose (ICON-D2)

Die Beaufort-Skala: Windstärke 0 bis 12

Die Beaufort-Skala wurde 1806 vom britischen Admiral Sir Francis Beaufort entwickelt und dient bis heute als Referenz für Windstärken. Sie beschreibt den Wind anhand seiner sichtbaren Auswirkungen auf die Umgebung – ohne Messgerät.

BftBezeichnungkm/hAuswirkungen an Land
0Windstille< 1Rauch steigt senkrecht auf
1Leiser Zug1 – 5Rauch zeigt Windrichtung an
2Leichte Brise6 – 11Blätter rascheln, Windfahnen bewegen sich
3Schwache Brise12 – 19Blätter und dünne Äste bewegen sich
4Mäßige Brise20 – 28Staub und Papier wirbeln auf, Zweige bewegen sich
5Frische Brise29 – 38Kleine Laubbäume schwanken
6Starker Wind39 – 49Starke Äste bewegen sich, Schirme schwer zu halten
7Steifer Wind50 – 61Ganze Bäume bewegen sich, Gehen gegen den Wind fällt schwer
8Stürmischer Wind62 – 74Zweige brechen ab, Gehen sehr schwierig
9Sturm75 – 88Äste brechen, leichte Gebäudeschäden möglich
10Schwerer Sturm89 – 102Bäume werden entwurzelt, erhebliche Schäden
11Orkanartiger Sturm103 – 117Großflächige Verwüstungen, schwere Gebäudeschäden
12Orkan≥ 118Schwere Verwüstungen, extreme Gefahr für Leib und Leben

Regionale Windschwerpunkte in Deutschland

In Deutschland gibt es ausgeprägte regionale Unterschiede beim Wind – beeinflusst durch Küstenlage, Mittelgebirge und topografische Kanalisierungen.

Nordseeküste

Die windreichste Region Deutschlands. Offene Flächen ohne natürliche Windbarrieren ermöglichen dauerhaft hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten. List auf Sylt verzeichnete 1999 die stärkste Böe im Flachland: 184 km/h.

Ostseeküste

Ebenfalls windreich, aber im Schnitt etwas schwächer als die Nordsee. Das kleinere Einzugsgebiet der Ostsee dämpft die Windentwicklung im Vergleich zum offenen Atlantikeinfluss an der Nordsee.

Mittelgebirge & Bergkuppen

Erhöhte Lagen wie Brocken, Fichtelberg oder Feldberg erleben deutlich stärkere Winde als die Täler. Der Brocken im Harz ist mit über 100 Sturm- und Orkantagen pro Jahr eine der windigsten Stationen Deutschlands.

Föhn in den Alpen

Der Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind an der Alpennordseite. Er entsteht, wenn feuchte Luft über die Alpen strömt, auf der Südseite abregnet und auf der Nordseite trocken-warm herabsinkt. In Bayern kann der Föhn Temperaturen schlagartig um 10–15 °C anheben.

Windrekorde in Deutschland

Absoluter Rekord Deutschland

335 km/h auf der Zugspitze (2.975 m) am 12. Juni 1985 – gleichzeitig europäischer Rekord auf einem Berggipfel.

Stärkste Flachlandbö

184 km/h in List auf Sylt am 3. Dezember 1999 während Orkan Anatol – der bislang stärkste Flachland-Böenrekord.

Orkan Lothar (1999)

Am Weihnachtstag 1999 traf Orkan Lothar Süddeutschland und die Schweiz. Am Hohentwiel wurden 272 km/h gemessen – ein Rekord für norddeutschland-nahe Mittelgebirgsstandorte.

Windgeschwindigkeit vs. Böen

Der offizielle Windwert ist das 10-Minuten-Mittel in 10 m Höhe. Böen sind kurzfristige Windspitzen (wenige Sekunden), die oft das 1,5- bis 2-fache des Mittelwertes erreichen. Deshalb sind Böen bei Unwettern deutlich gefährlicher als der gemittelte Windwert.